Unsere Seiten sind fast erschöpft, und Eurolektionen ist vorbei. Was ist gewesen, außer Papier, Reden und Spesen? Wir hatten Ziele für Eurolektionen: wir wollten wissenschaftlich Erkenntnis gewinnen, wir wollten Menschen eine Stimme geben, wir wollten etwas verändern. Natürlich waren wir uns darüber nicht einig, von Anfang an und bis jetzt.
Was ist also aus ehrgeizigen Zielen geworden? Wir waren um methodische Sorgfalt bemüht, konnten aber mit knappen Ressourcen und epistemologischen Streitereien keine wissenschaftlichen Standards erfüllen. Wir lassen die Hosen runter und raten: Wem unsere Perspektiven nicht gefallen, der greife die Methode an! Unser Betrachtungsgegenstand und unsere Methode haben sich als elitär entpuppt: eine Stimme bekommen nur die ohnehin eloquenten Schülerinnen. Wer keinen Diskurs zum Thema “Europa” hat, oder sich nur phrasenhaft äußern kann, dessen Anliegen werden Sie in diesem Projektbericht nicht finden können. Ersatzweise sprechen wir über, bestenfalls für die Stillen, Schwachen, die vielleicht besonders von europäischer Einigung betroffen sind. Verändert haben wir mit Eurolektionen auch wenig: wir sind froh, unsere Schülerinnen ein wenig kennen gelernt zu haben, und wir hoffen, ihnen einige Fragen mitgegeben zu haben.
Vielleicht waren unsere Ziele von vorneherein hybrisch. Vielleicht sollten wir zufrieden sein ob des Erreichten, Erlebten, Erlernten. Wir sind dankbar für die erhaltenen Chancen. Wir hatten ein schönes, ein interessantes Jahr.
Aber ein fahler Geschmack bleibt, für einige, im Abgang dieses Projektes, in seiner ganzen belangenlosen Subjektivität: wie schön, dass wir mal „darüber geredet“ haben, schmerzlos, konsequenzlos? Wir sind uns nicht einig. Die elternlosen Kinder in Rumänien und die anderen Lebenswelten der Einigung gehen einen vermeintlichen „europäischen Führungsnachwuchs“ an – und uns gehen sie sowieso an. Reichen dann unsere privatistischen Rechtfertigungen für diese „verdienten“, öffentlich subventionierten Chancen dieses Projektes?
Spinnen wir mal fort, was aus Eurolektionen hätte werden können, als wissenschaftlich solide Untersuchung, oder als aktivistisches Projekt. Wir ahnen: alarmierende Befunde über dumm gehaltene Europäerinnen, hüben wie drüben. Und wir hoffen: eine neue Agenda der Bildungsexpansion und der Umverteilung. Bessere Schulen und eine sanftere ökonomische Transformation kosten auch viel Geld. Geld, das aus dem privaten Konsum derer kommen müsste, denen es gut geht. Ein gespenstischer Verdacht geht um in Eurolektionen: Wem dient sozialer Wandel auf diskursiver Sparflamme, wie wir ihn befeuern? „Darüber reden“ ist nett, aber wir singen damit auch leise das Lied des Status Quo, des Brot wir essen, und dessen Profiteure auch wir tendenziell sind.
Verstehen Sie uns nicht falsch: einen historisch-materialistischen Sündenbock oder eine strukturalistische Absolution für manche Unzufriedenheiten mit unserem Projekt gibt es nicht.
Eine wichtige Eurolektion für uns war: „A little less conversation, a little more action, please“. (Hören Sie den Elvis-Song, wenn Sie mögen.)
Wir würden gerne noch einmal Eurolektionen machen, dieses Mal „A little less bark, a little more bite“. Für gutes und faires Lernen in den Schulen unseres Kontinents. Für Europa.



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