Europa in der Schule

Was kann uns einfallen zur Rettung der Union, das nicht unfreiheitlich oder unwirksam ist? Die Schule ist in modernen Gesellschaften eine der wenigen Institutionen, die Wissen, Einstellungen und Kompetenzen ihrer Bürgerinnen prägen kann. Die Schule kann Ort der Versammlung und der Vergesellschaftung sein, ein aufregender Ort, an dem entschieden wird, wie es weiter gehen soll, für jede einzelne und für alle gemeinsam.

Dabei existiert Schule nicht unabhängig: sie ist das Ergebnis der Politik eines Gemeinwesens und gleichzeitig Praxis vieler Individuen. Schule prägt das Gemeinwesen der Zukunft und das Gemeinwesen prägt die Schule der Gegenwart. Es prägt Schule durch die Bestimmung öffentlicher Bildungsausgaben wie Lehrergehälter, durch die Ausstattung der Schulen, die Investitionen in die Ausbildung von Lehrerinnen und die Gestaltung von Lehrplänen.

Europa ist das neues Gemeinwesen des 20. Jahrhunderts. Ein Gemeinwesen sui generis, eigener Art, das Gesellschaft werden will. Es ist dazu auf neue Generationen angewiesen, die den Einigungsprozess in die Hand nehmen.

Europa ist für Eurolektionen Betrachtungsgegenstand und Stichprobe gleichzeitig. Stichprobe, wo Europa beispielhaft als ein zu organisierendes Gemeinwesen fungiert, und Betrachtungsgegenstand, wo es durch seine besondere Beschaffenheit interessant wird.

Unterschieden haben wir die Bereiche Politik (das kollektiv Verbindliche),  Kultur (Ausdrucksformen) und Geschichte (das kollektiv Erfahrene).

Doch wie beeinflusst Schule das Gemeinwesen, die zukünftigen Bürgerinnen Europas? Sind die Schulen Europas eine gute Schule für den in Vielfalt geeinten Kontinent?

Hat der Wahnsinn Methode?

Wir verbrachten Tage im Goethe-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf, reisten ins siebenbürgische Brașov/Rumänien an das Colegiul National Economic und beendeten unsere Forschung am Hvitfeldtska Gymnasiet in Göteborg/Schweden. In allen drei Schulen trafen wir auf Abschlussklassen oder Schülerinnen der Oberstufe: insgesamt mehr als 160 Schülerinnen und 10 Lehrerinnen unterschiedlichster Fächer sollten Antwort auf unsere Fragen geben.

Wir wollten qualitativ erfahren und nicht quantitativ testen. Durch Zuschauen und Zuhören in den einzelnen Schulen näherten wir uns den Antworten: In Fokusgruppen mit jeweils fünf bis neun Schülerinnen haben wir zugehört und in lockerer Atmosphäre diskutiert. Unsere Fragen sollten lebensweltlich sein, und nicht Wissen testen. Wir wollten hören, wie Schülerinnen über Politik, Geschichte und Kultur Europas diskutieren, welche Meinung sie vertreten.

Ohne die Anwesenheit notenvergebender Lehrerinnen und in Anonymität. In Interviews haben wir Lehrerinnen zugehört. Was sie über Europa denken, was sie lehren.

Zuschauen konnten wir in verschiedenen Unterrichtsstunden durch nicht-teilnehmende Beobachtung: wie wird Unterricht gestaltet? Welche Atmosphäre ist vorherrschend, welche Themen werden behandelt? Wie verhalten sich Schülerinnen und Lehrerinnen?

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